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Geldknappheit mit Folgen für Sauerstoff-Patienten (Offener Brief der SauerstoffLiga zur Versorgungssituatin von Sauerstoffpatienten)

Geldknappheit mit Folgen für Sauerstoff-Patienten (Offener Brief der SauerstoffLiga zur Versorgungssituatin von Sauerstoffpatienten)

[08.12.2011, 18:00:24] Franz-Josef Kölzer
Kompletter Inhalt des Offenen Brief der Deutschen SauerstoffLiga zur differenzierten Darstellung des Themas
Offener Brief

der Deutschen SauerstoffLiga LOT e.V.

Drohende Umversorgung für Langzeit-Sauerstoff-Patienten durch
Krankenkassen

Sehr geehrte Damen und Herren,

als bundesweit arbeitende Selbsthilfeorganisation vertreten wir auch die Interessen aller Patienten mit einer dauerhaften Langzeit-Sauerstoff-Therapie. Diese Patienten brauchen zum Überleben eine
leitliniengerechte lebenslange Langzeit-Sauerstoff-Therapie.
Wie bei anderen Therapien setzt auch die Einleitung einer Langzeit-Sauerstoff-Therapie eine leitliniengerechte Verordnung durch einen Facharzt voraus. Diese enthält – neben der erforderlichen Diagnose durch den Facharzt – eine individuelle und differenzierte Indikations-stellung, die nicht nur den allgemeinen Gesundheitszustand eines Patienten, sondern auch perspektivisch die Mobilität des Patienten berücksichtigen soll.
Die Verordnung wird vom Arzt oder der Klinik beim Kostenträger eingereicht. Dieser erteilt – ggf. nach weiterer Prüfung der Verordnung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) – einem
geeigneten Sauerstofflieferanten den Versorgungsauftrag, der dann in entsprechendem Umfang den geschlossenen Versorgervertrag ausführt.

Mit Besorgnis stellen wir in der letzten Zeit fest, dass es immer öfter zu einer Umversorgung bei Langzeit-Sauerstoff-Patienten durch die Krankenkassen kommt. Eine solche Umversorgung bedeutet in der Folge für den Patienten dann oft einen weiteren Verlust an Mobilität,einhergehend mit einer Verminderung der Lebensqualität und letztlich der Verkürzung seiner Überlebensdauer.

Unserer Forderung nach der Umsetzung leitliniengerechter fachärztlicher Verordnungen durch die Krankenkassen liegt die Tatsache zugrunde, dass es sich bei einer ärztlichen Verordnung immer um ein unabänderliches Dokument handelt. Ungeachtet dieser Tatsache sehen wir – neben der
bekannten Zunahme an diesen Problemen bei der Versorgung – den Beginn einer bundesweiten Versorgungspraxis für Langzeit-Sauerstoff-Patienten auf uns zukommen, die weit von dem entfernt ist, was durch ärztliche Verordnungen von Langzeit-Sauerstoff-Therapien grundsätzlich erreicht werden soll:

Die gesundheitserhaltende Mobilität von Patienten.

Genau hier ist zu befürchten, dass Langzeit-Sauerstoff-Patienten ihre vom Facharzt festgelegte Versorgung so nicht mehr erhalten und sie aufgrund ökonomischer Beweggründe mit einer Einschränkung ihrer Mobilität und somit Lebensqualität rechnen müssen.

In der folgenden Übersicht werden die unterschiedlichen Möglichkeiten der Sauerstoffversorgung von mobilen Patienten aufgeführt:

1. Mischversorgungen
a) Stationärer Sauerstoff-Konzentrator
+ Gasdruckflaschen (GOX)* mit Sparsystem (DF)
b) Stationärer Sauerstoff-Konzentrator
+ 1 Füllung/Monat Flüssigsauerstoff (LOX)
dazu ein passendes Mobilgerät (CF)

2. Flüssigsauerstoffversorgung (LOX)
a) mit einem Mobilgerät für CF oder
b) mit einem Mobilgerät für DF

3. Mobile Sauerstoff-Konzentratoren (Reisekonzentratoren)
(CF bis Stufe 3, darüber hinaus nur DF)

4. Tragbare Sauerstoff-Konzentratoren
(nur DF bis Stufe 2 gesichert)

5. Homefill-Stationen
zur Selbstfüllung von Gasdruckflaschen (GOX)* (bei stationärer Versorgung und gleichzeitiger Füllung
der GOX-Flasche ist die stationäre Versorgung nur bis 3 l möglich).
CF = Continious Flow = kontinuierliche Abgabe
DF = Demand Flow = Atemzugsteuerung
(Versorgung mit DF-Geräten darf nur nach positiver Testung + Verordnung erfolgen)

* GOX ist nach den Leitlinien der DPG nicht zur Langzeit-Sauerstoff-Therapie geeignet.

Diese aufgezeigten Möglichkeiten der Versorgung mobiler Patienten sind in ihrer Versorgungsart sehr unterschiedlich aufwendig und effektiv und weichen bei den Kosten stark voneinander ab. Mit zunehmendem Kosten- druck auf Seiten der Krankenkassen, wird dieser an die Leistungser-bringer (Sauerstofflieferanten) weitergegeben. Diese Praxis entspricht dann keinesfalls mehr dem Sinn einer gewissenhaften ärztlichen Verordnung nach der S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für
Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., (Langzeitsauerstofftherapie, 2007), sondern bietet Raum für Willkür, die einhergeht mit einer Verschlechterung der Versorgung für den einzelnen Patienten.

Der Verlust an Mobilität und dem Rest der Gesundheit sind die Folgen.

Aber genau diese gilt es zu erhalten sind sie für die soziale Integration von Menschen von so existenzieller Bedeutung. Ein „normales“ Leben, wie Wohnen, Arbeiten, Reisen, Menschen treffen, kann ohne Mobilität nicht stattfinden: Isolation, Verschlechterung des Gesundheitszustandes und Ausgrenzung sind die Folgen. Solche Eingriffe in die ärztliche Verordnung einer Langzeit-Sauerstoff-Therapie, sind aus unserer und aus der Sicht der Patienten nicht akzeptabel, gleich welche Ursachen oder Beweggründe dahinter stehen. Wir möchten Sie auffordern, sich gemeinsam mit uns, der Deutschen SauerstoffLiga (LOT), für die Interessen der Langzeit-Sauerstoff-Patienten einzusetzen um auch weiterhin eine leitlinien-gerechte Langzeit-Sauerstoff-Therapie zu ermöglichen.

F.-J. Kölzer

Beisitzer für Gesundheitspolitik im Vorstand
Deutsche SauerstoffLiga LOT e.V.
Selbsthilfegruppen für Sauerstoff-Langzeit-Therapie
Vorsitzende: Dr. Birgit Krause-Michel
Sitz: Frühlingstraße 1, 83435 Bad Reichenhall
Tel.: 08651 762148
Fax: 08651 762149
E-Mail: info@sauerstoffliga.de
Internet: www.sauerstoffliga.de

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