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Thema ": Couchreisen":

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Forum | Reiseversorgung | : Couchreisen

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tonleo

Beiträge: 195

Re: : Couchreisen

29.10.2010 18:15:03

Hallo Birgit,
ja, in einem Anflug von Dummheit hatte ich mal gedacht, diese Geschichten als Buch zusammen zu fassen.
Danach habe ich mich schnell gebremst.
Stell Dir mal vor, ich würde einen Kriegsblinden von Verleger finden, der bereit wäre, ein Buch zu verlegen.
Stell Dir weiter vor, das Buch hätte Erfolg.
Das wäre mein Ende. Ich hätte keine Ruhe mehr, denn der Verleger würde gerne ein zweites Buch nachschieben. Ich wäre ständig auf Reisen mit Lesungen, Autogrammen, Performances und mehr.
Und wofür eigentlich? Fürs Vaterland sicher nicht und fürs Geld auch nicht. Nichts ist so schnell vergänglich wie Geld.
Manchmal zweifele ich, ob es überhaupt Geld gibt. Oder ist alles eine Fiktion, ein Spuck, eine Theaterfarse?
Im Vertrauen, manchmal denke ich das ganze Leben ist ein fiktiver Vorgang und wir in Wirklichkeit gar nicht da sind. Sozusagen eine universale alles umfassende CAPD.
Du verstehst sicherlich was ich meine.
Antonio

bibiviola

Beiträge: 3362

Re: : Couchreisen

29.10.2010 18:42:11

Hallo Tonleo,

ja ich verstehe dich gut....

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße
Birgit

tonleo

Beiträge: 195

Re: :Vierte Folge, die Kurze

30.10.2010 10:46:51

Bitte entschuldigt. Der Beitrag ist heute sehr kurz. Das Wochenende, der Besuch, das Wetter; man findet immer noch was.Aber eins sage ich Euch. Mit Max habe ich immer Schwierigkeiten gehabt. Es begann als ich 15 oder 16 war als wir Jungs anfingen, uns für Sex zu interessieren. Hatte einer von uns ein scharfes Buch, machte dies schnell die Runde durch. Wir lasen meistens nicht das ganze Buch, sondern die paar interessanten Seiten, die sofort auffielen, da sie besonderes stark abgegriffen waren. Einer unserer Lieblingsautoren war damals Henry Miller.
Der schrieb grade weg, offen und ohne Tabus nicht nur über Sex sondern auch über Gesellschaft und Spießbürgertum. Seine Bücher erfüllten unsere Sehsucht nach Revolution allerdings aus dem gesicherten und warmen Mutterschoß heraus.
Miller schrieb unter anderem ein Buch, Wendekreis des Steinbocks, das wir nie in die Hände bekamen. Im Buch müßte ein Max agieren , davon redeten viele Jungs, aber so genau wußte auch keiner was. Es hieß immer Max hier und Max da. Er müßte auch irgendwas mit weißen Zellenfressern (phagocytes) gehabt haben, aber genau wußte es keiner .
Nun, ist mein Freund Max ein ganz anderer als der von Miller. Aber er hat auch seine Besonderheiten.
Wie wir alle.

_____________________________________________
Couchreisen, Die vierte, la quarta.

Am nächsten Morgen rief Max ganz aufgeregt an.
„ Du, mit Deinem CAPP oder COPP da hattest Du verdammt recht. Ich bin ganz durcheinander..“
„Nun, ganz langsam. Was ist passiert?“
„ Stell Dir mal vor, soeben hat Tante Friederike angerufen und weiß Du was sie gesagt hat?“
„ Nein, Wie soll ich das wissen“
„ Sie sagte mir: Vielen Dank für den netten Besuch gestern, die Blumen sind wirklich wunderschön und die Pralinen schmecken soo köstlich.“
„Max, das sagte sie wirklich?“
„ Ja, ja, ich sage es Dir. Und ich soll sie bald wieder besuchen, hat sie auch noch gesagt“
„Max, ich muß Dir sagen, ich bin gar nicht so überrascht. Gerade CAPD bewirkt so was“
„Ich verstehe nichts davon, aber irgendwas muß schon passiert sein. Das am Telefon war echt die Tante. Ich habe sie anschließend zur Kontrolle zurück gerufen. Es stimmt, ich war echt in Gummersbach. Aber ich war auch bei Dir im Zimmer. Wie ist das möglich? Lass mich mal überlegen“
Max machte eine lange Pause. Ich hörte aber seine stummen „Hm.. Hm...“ Endlich fragte er:
„ Sag mal bitte.. Diese CAPPES da, Du weiß was ich meine, also sagen wir, diese Spaltcouch. Also dass ich einmal in Gummersbach und hier sein kann, könnte wohl jedermann machen?“
„Unter bestimmten Voraussetzungen prinzipiell ja, jedermann“
„Also, Du könntest eine beliebige Person auf Deiner Couch so behandeln, dass sie gleichzeitig irgend woanders befördert werden könnte? Ist das so richtig?“
„ Ja, man könnte es auch so sagen“
„Mensch, wenn es so wäre, wenn es tatsächlich so wäre, wären wir steinreich“
„Wovon redest Du überhaupt?“
„Nichts, nichts. Vergiss es , es war nur so ein Gedanke. Ich muß es mir nochmals gründlich durch den Kopf gehen lassen. Könnten wir uns morgen nachmittag im Café Kronenzacken treffen? Dann schauen wir weiter“
_____________________________________

Also Ihr Lieben, wir sehen uns alle im Café Kronenzacken in Kürze wieder. Es sei denn , das Lokal ist für Euch zu gewöhnlich.
Niemand soll sich deshalb einen Zacken von der Krone abbrechen. Herzlichst und Lunglichst
Antonio

tonleo

Beiträge: 195

Re: : Die Fünfte am Sonntag. La quinta

31.10.2010 11:17:53

Ihr Lieben,
bin schon wieder da. Ihr werdet zu Recht sagen: da ist wieder, der Spinner! Ja , Ihr habt Recht, denn ohne Spinner keine Geschichte, ha ha.
Ehrlich gesagt, ich habe da ein kleines Problem. Und zwar eben diese Geschichte so schnell wie möglich zu einem annehmbaren Abschluß zu bringen. Warum?
Ich bin von den Firmen ITS und Airberlin nächste Woche zu einer Reise nach Spanien eingeladen. Ich soll in Andalusien prüfen, ob in den dortigen Flughäfen getrennte Säle eingerichtet werden können mit blauen Couchs und Lampen Kök, um für Notfällen, bei Streiks, Anschlägen oder hohen Verspätungen, Möglichkeiten den Passagieren zu geben, dringende Geschäfte zu erledigen. Zum Beispiel muß jemand außerplanmässig vor dem Rückflug zu seinem Hausarzt, dann kann er sich auf die Couch legen und sozusagen in die Arztpraxis "verschicken" lassen. Ähnlich wird es bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen verfahren.
Es ist eine interessante Arbeit, die vielleicht vom Verdienst her nicht sehr viel ausmacht, im Gegenteil, mich sogar einiges kostet, aber ich mache es gerne.
So, kommen wir endlich zu uns. Hier die 5. Folge, also la quinta della domenica:
__________________________________________

Am darauf folgenden Nachmittag im Café Kronenzacken.
Max war in prächtiger Laune und ziemlich euphorisch..
„Ich glaube, ich habe es“, sagte er strahlend.
„Was meinst Du damit?“
„Ich habe intensiv über Deine KLAPPE nachgedacht“
„Du meinst CAPD?“
« Das sagte ich doch. Also mit diesem Dingsda könnten wir ein Haufen Geld verdienen.
Ja, wir haben die einmalige und reale Chance, wirklich reich zu werden“
„Ich verstehe nicht, was Du meinst“
„ Ja, von Geschäften hast Du nie was verstanden. Aber ich versichere Dir, in diesem Projekt ist wirklich Musik drin“
„Wärst Du so freundlich mir zu erklären, was Du meinst?“
„Ganz einfach. Wir vermarkten die KAPPE, ich nenne sie mal so. Wir gründen eine Firma und gehen sofort ins Internet. Wir bieten einmalige Reisen an ohne sich vom Ort bewegen zu müssen . Ganz easy Reisen von der Couch aus oder vielleicht ganz einfach www.couchreisen.de. Du, es wird einschlagen wie eine Bombe“
„Ja, aber wie soll das funktionieren? Ich habe von Firmengründen, Internet und so weiter keine Ahnung“
„Das lass bitte meine Sorge sein. Ich kümmere mich um das Kaufmännische und Du um die Schlaferei“
„Max, ich weiß nicht, es geht mir alles zu schnell. Wir sollten diese Sache erst mal gründlich überlegen. Außerdem möchte ich mich mit meiner Frau beraten“
„Um Gottes Willen. Lass die Frauen hier aus dem Spiel. Frauen sind zu ängstlich, um etwas wirklich Großes auf die Beine zu stellen. Es gibt ganz wenige riskante, na ja, ich meine risikofreudige Frauen“
„Das kannst Du nicht so sagen, schau als wir geheiratet haben, hat meine Frau...“
„Sehr risikofreudig entschieden, ja. Aber unüberlegt. Und sieh selber in den Spiegel, was dabei rausgekommen ist. Nein, in dieser ersten Phase können wir keine Frauen gebrauchen. Später, wenn der Rubel rollt, das werden sie schnell merken. Und wir wollen sicherlich, dass unsere Frauen an unserem Erfolg teilhaben, habe ich recht?“ Max stieß mir dabei den Ellenbogen in die Rippen und lachte laut und dreckig. Mir aber blieb die Luft weg und ich schaute noch etwas mehr zerdeppert aus als sonst.
„So,mein Lieber, wie wollen ernsthaft über das Geschäftsprojekt reden. Es ist klar, dass so was am Anfang Geld kostet. So was nennt man Anschubinvestition, denn von nichts kommt wieder nichts.
Also machen wir Kassensturz „ dozierte Max. der nun sichtlich in seinem Element war.
Dann drückte er seinen rechten Zeigefinger auf meine Brust und mit einem strengen Blick fragte:“ Wie viel hast Du?“
Ich war von der Frage und der Entwicklung des Abends völlig überrascht, stand da wie ein dummer Junge aus dem Dorf und konnte nicht antworten,
„Wie viel?“ fragte Max bohrend und ungeduldig.
„Nichts, ich habe hier 38 Euro, das ist alles“
„ Dass ich nicht lache, ha ha ha, 38 Euro. Und damit sollen wir eine Weltfirma gründen? Ihr habt sicherlich Ersparnisse oder andere Geldanlagen. Also?“
„Na ja, wir haben tatsächlich was gespart, aber das Geld ist schon verplant“
„Wie viel ist es?“
„So etwas mehr als elftausend Euro, glaube ich. Aber es ist bereits alles verplant, sagte ich schon“
„Elftausend, das ist nicht gerade üppig. Das wird kaum reichen, auch wenn ich die gleiche Summe dazu legen“
„Ja, aber Max, über das Geld kann ich nicht verfügen, denn wie gesagt, es ist bereits verplant. Wir wollen die Küche renovieren“
„Küche renovieren? Mein Junge, wir haben etwas Großartiges, etwas Einmaliges vor und Du willst die lächerliche Küche renovieren. Es ist kein Wunder, dass Du es bisher zu nichts gebracht hast. Weißt Du was ich Dir sage?“
„Nein, was denn?“
„Wir werden bald Millionär. Millionär, verstehst Du? Du wirst Dir die schönste Villa da drüben, auf dem grünen Hügel kaufen können. Eine Villa mit zwei, nein mit drei oder vier Küchen und sechs oder sieben Bädern. In diesen Dimensionen musst Du anfangen zu denken“
Max erhitzte, kam ins Schwärmen und beschrieb plastisch mit einer weitausholenden Handbewegung einen breiten Bogen, der die Schönheit und den Umfang der Villa auf dem Hügel deutlich beschrieb. Max begleitete seine Darstellungen immer mit plastischem Gestikulieren, aber so eine geniale Handbewegung hatte ich bislang nur in Fernsehen bei der Werbung von Trigema gesehen.
„Aber, Max, da ist noch was. Wir wollten uns mit dem Geld Wasserbetten anschaffen“
Max blieb erst mal die Spucke weg, dann erholte er sich blitzartig.
„Wasserbetten, hast du da gesagt? Sagtest Du wirklich Wasserbetten? Warum nicht gleich ein Segelboot darauf?“
„All unsere Freunde und Bekannten habe schon Wasserbetten, nur wir sind immer die Blöden und gönnen uns nichts“
„Aber überlege mal, wenn jeder, also jeder ein Wasserbett hätte und die Dinger auf ein mal undicht würden, hätten wir eine verheerende Überschwemmung wie neulich in Pakistan. Schau Dir die Leute an der Elbe oder die Einwohner von Passau an. Meinst Du die hätten noch Lust auf Wasserbetten? Die haben nämlich die Nase voll vom Wasser, mein Lieber“
„Aber es geht um den Komfort beim Liegen. Meine Frau hat solche Rückenschmerzen in der Nacht“
Max zwinkerte „Rückenschmerzen in der Nacht. Ehi, vielleicht treibst es zu toll in der Nacht, oder? Du, Du, Wüstling, es gibt ja auch zig andere schonende Möglichkeiten des Beischlafs... Du weiß schon was ich meine?“
„Nein, es ist nicht so wie Du meinst. Sie hat echte Schmerzen“
„Mein Opa pflegte zu sagen: wenn Du morgens aufwachst und keine Schmerzen spürst, bist Du wahrscheinlich schon tot. Ha, ha, gut nicht wahr?“
„Und lebt Dein Onkel noch?“
„Nein , der ist schon tot“
„Also doch“
„Nein, mein Onkel starb, weil er keine Schmerzen mehr spürte. Das war sein Verhängnis“
„Das kann ich meiner Frau nicht antun. Ich muß gegen ihre Schmerzen etwas tun“
„Da habe ich einen todsicheren Tipp: aromatisiertes Melkfett“
„Hör mal! Meine Frau ist keine Kuh!“
„Nein, sie ist eine sehr liebe Frau. Aber auch kluge Frauen sind nicht gefeit, einen Ochsen als Mann zu haben“
„Das grenzt jetzt an Beleidigung“
„Entschuldigung. Ich wusste nicht, dass Ochsen so empfindlich sind, ha ha. Gut. Machen wir damit Schluss. Wenn Du bei diesem todsicheren Projekt mitmachen möchtest, beschaffe Dir baldigst das Geld und sage mir bitte dann Bescheid. Aber bitte, nicht allzu lange warten. Die Sache ist heiß und ich bin entschlossen das zu realisieren, entweder mit Dir oder mit jemandem anderen. Wir müssen uns beeilen; nicht dass irgendeiner uns zuvorkommt. Dann ist möglicherweise alles aus . Denke an die Millionen, denke an die Villa und gib mir bald Bescheid“
____________________________________________

Sagt bitte, ob ich aufhören soll. Das kann man jetzt sehr gut. Ich spreche nämlich das Projekt mit meiner Frau, wir modernisieren die Küche und damit hat es sich mit der Geschichte. Basta und Amen.
Antonio

tonleo@t-online.de

Ruhrpottmotte

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Beiträge: 2780

Re: : Couchreisen

31.10.2010 19:57:15

Hallo Tonleo,

Nr. 4 und auch Nr. 5 sind wieder einmal toll geschrieben.
Klasse.
Mehr davon.
Elke

Liebe Grüße Elke
launisch? Ich nenn das spontane emotionale Kreativität

finchen

Beiträge: 916

Re: : Couchreisen

01.11.2010 15:50:06

Hallo Tonleo,
lass die Küche wie sie ist und mache weiter!
Liebe Grüße
Lore!

tonleo

Beiträge: 195

Re: :Die sechste, die verzweifelte

02.11.2010 09:30:43

Hallo liebe Verfolger dieser schmarrigen Abenteuer,
mir gehen langsam die Ideen aus. Wie kann ich zum Abschluß kommen ohne das literarische Gesicht zu verlieren? Mit andern Worten, wie kriege ich die letzte Couch-Kurve und komme zum Ziel?
Es ist zu verzweifeln: nicht nur die Hauptperson in der Erzählung hat zu leiden, nein noch viel mehr auch ihr Erfinder. Ja, der vielleicht noch mehr. Die Hauptperson, der Protagonist stolziert so unbekümmert durch die Geschichte als wäre ein kleiner herbstlicher Spaziergang. Der Schreiberling dagegen, voller Qualen und Gewissenbissen muß nachkommen und läuft immer hinter ihm her, atemlos versucht er den Burschen einzuhloen.
Ein Mauskatz Spiel, das hoffentlich bald zu Ende gehen wird.
Nun die Sechste ( Bei Beethoven die Pastorale oder Leben auf dem Land, hier dagegen die Verzweifelung oder Leben auf dem Klo)
_______________________________________

Der Rest des Tages war ich konfus und abwesend. Immer wieder verfolgte mich die Erinnerung an die Begegnung mit Max. Was sollte ich machen? Alles vergessen und den Rest meines Lebens so weiter vertrödeln ? Weiter so würde aber bedeuten, sich zufrieden zu geben mit kleinbürgerlichen Freuden wie einer renovierten Küche oder Wasserbetten und vielleicht einmal einer echten Reise nach Mallorca in zehn Jahren . Oder sollte ich einmal den großen Wurf wagen und meine ganzen Ressourcen in ein Unternehmen investieren und sollte es Erfolg haben, uns mehr als einen Quantensprung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich verschaffen würden? Mein Gott, war das eine schwere Entscheidung. Ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren und war ganz durcheinander. Meine Frau spürte sofort meine Nervosität, denn sie hatte eine feine Antenne für meine oft schwankenden Gemütszustände.
Am Abendtisch wich ich ihren fragenden Blicken aus und aß alles durcheinander, ohne den Geschmack der Speise wahrzunehmen.
Die Nacht wurde zur Hölle. Die frisch renovierte Küche stand kniehoch unter Wasser., denn die Wasserbetten waren geplatzt und hatten die ganze Wohnung unter Wasser gesetzt. Das Wasser hörte nicht auf aus den Matratzen heraus zu strömen. Im Schafzimmer schwammen die Nachtschränke und die Anrichte. Alles drängte sich zur Zimmertür und verstopfte den Hafenausgang. Meine Frau hatte eine Kapitänsmütze auf und eine Trillerpfeife und versuchte pfeifend Ordnung in dem maritimen Chaos zu bringen. In dem kam Max auf einem amerikanischen Riesenschlitten paddelnd. Er spang auf die Lampe Kök und pendelte hin und her wie Tarzan in der Dschungel. Mit einem lauten Schrei flog er auf die blaue Couch ohne sich vorher die Schuhe auszuziehen. Max sang das österreichisches Lied „Ich will heim nach Fürstenfeld, ich will heim nach Gummersbach“ In dieser maritimen Katastrophe versuchte ich verzweifelt die Geldscheine, die mir aus der Hosentasche herausquollen festzuhalten. Aber sie machten sich immer wieder selbstständig und flogen durch die Küche, landeten im Spülstein und weg waren sie durch den Abfluss. Es ging alles so dramatisch schnell vor sich, dass ich den traurigen Vorgang nicht aufhalten konnte. Nachdem ich gesehen hatte, wie der letzte Schein mit einem lauten Sauggeräusch durch den Abfluss verschwunden war , wachte ich schweißgebadet auf und knipste die Nachttischlampe an. Meine Frau schlief ruhig neben mir. Aus ihren halboffenen Lippen strömte ein leises süsses Pfeifen heraus, aber sie hatte keine Kapitänsmütze auf. Die Nachttische und die Anrichte standen wie immer auf ihren Plätzen. Der Fußboden schien trocken zu sein. Ich versuchte wieder einzuschlafen, aber ich kämpfte bis zum Morgen mit den existentiellen Fragen des Lebens: Spielen, wagen und gewinnen oder mutlos aufgeben und völlig unheroisch die Küche renovieren?
Mir war es heiß und zugleich wieder kalt und ich hatte einen ständigen Drang, mich auf’s Klo zu setzen. Nur auf dem Klo fand ich etwas Ruhe und Selbstkontrolle und konnte so sitzend wieder ein paar vernünftiger Gedanken fassen.
Ich könnte hier stundenlang und minutiös mit der Beschreibung meiner Gefühle fortsetzen, das würde aber die Fähigkeiten des Schreibers und die Geduld der Leser arg strapazieren.
Also kurz und gut, nach dem Frühstück spürte ich einen immensen inneren Drang. War das schon die Entscheidung? Ich rannte zum Klo. Die lange Sitzung brachte endlich Klarheit: noch mit der Hose in der Hand schaute ich in den Spiegel auf der Suche nach Zeichen der Veränderungen in meinem Gesicht, aber von heldenhaften Zügen war nichts zu sehen.
Ich wusch meine Hände sozusagen in Unschuld und kehrte ins Esszimmer zurück.
Dort verabschiedete ich mich von meiner Frau, nahm sie in die Arme, schaute ihr tief in die Augen, wie im Film Casablanca und streichelte ihre malträtierte Schulter. Obwohl sie mir sehr leid tat und ich ein brennendes schlechtes Gewissen spürte, blieb der Held in mir standhaft und ich verließ das Haus in Richtung Bank
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Ist er von allen guten Geistern verlassen? Wie kann man so blöd sein? Sein ganzes Geld so riskieren! Oder zieht er das große Los uns lebt wie ein Fürst in einem Palast mit acht Wasserbetten? Keiner weiß es.
Lesen Sie die nächste Folge exklusiv auf dieser Stelle.

tonleo

Beiträge: 195

Re: : Die Siebte oder der goldener Kalb

03.11.2010 11:40:58

Als Beethoven seine siebte Symphonie komponierte, war ich gerade sechs Wochen auf Cumulus 107 des nördlichen Himmels.
Beethoven machte so viel Krach mit seinen Oboen und Trompeten, dass wir da oben immer wieder aufwachten. Von da an nahm ich mir vor, sollte ich jemals eine Siebte schreiben, etwas ruhiger angehen zu lassen.
Zum Beispiel wie hier:
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Nicht ohne einen gewissen Stolz meldete ich Max am Handy, dass die Banktransaktion erfolgreich abgelaufen war. Max war sehr erfreut und lud mich zum Mittagessen ins Restaurant Tre-topini-verdi ein. Ich rief meine Frau an und erzählte ihr nur von der Einladung . Sie sollte mit dem Mittagessen nicht auf mich warten.
In der Stadt hatte ich noch ein paar Sache zu erledigen, besorgte unter anderem eine große Dose Melkfett und vertrödelte die restliche Zeit beim Schaufenster Gucken. Immer wieder tastete ich meine linke Brustseite ab, um mich zu vergewissern, dass der Umschlag mit dem Geld immer noch da war. Eine junge Frau, die ich in meiner Nähe schon länger beobachtet hatte, blieb stehen und fragte mich, wo die Höllengasse sei. Ich merkte sofort, das war ein übler Trick. Sie und ihr Komplize wollten mich wahrscheinlich am helllichten Tage ausrauben. In Verteidigungsstellung gehend verdeckte ich mit beiden Händen und mit der Plastiktüte mit dem Melkfett meine linke Brustseite. Das Fräulein aber kam trotzdem näher, berührte mich am Arm und fragte, ob es mir nicht gut ginge. Aber auf den Trick fiel ich nicht rein. Ich wich schnell einen Schritt zurück und schrie : „ Zur Hölle mit Ihnen“.
Dann rannte ich weg in Richtung Tre-topini-verdi, drehte mich allerdings unterwegs immer wieder um, um sicher zu sein, dass mir niemand folgte..
Ich war natürlich viel zu früh da, so wartete ich ungeduldig und ziemlich nervös draußen vor dem Lokal auf Maxens Ankunft.
Nach einer halben Stunden des bangen Wartens kam endlich Max, jovial und bestens gelaunt.
„Ja, mein Lieber, da bist Du ja. Es ist schön, Dich wieder zu sehen. Aber lass uns rein gehen. Wir wollen uns stärken, denn wir haben viel Arbeit vor uns“ sagte er und bugsierte mich geschickt durch die Eingangstür des Restaurants
Max wurde vom Ober sofort erkannt und höflich wie ein alter Kunde gegrüßt. Wir bekamen eine schönen Tisch in einer ruhigen Nische zugewiesen. Wir hatten gerade Platz genommen , als ich den Umschlag aus der linken Brusttasche zog und sie Max übergab.
„Max, bitte behalte Du das Geld. Ich habe Angst, es zu verlieren. Außerdem laufen in der Stadt solche Typen herum“
„Her damit, bei mir ist das ganze Geld der Welt in besten Händen. Wie viel haben wir denn da?“
Er zählte nach. Steckte die Scheine wieder in den Umschlag und stellten diesen auf den Tisch neben der Serviette.
„Na ja, mein Lieber, elf tausend. Damit kommen wir nicht sehr weit“
„Ja, Max aber wenn Du weitere elf tausend dazu gibst, haben wir schon 22 Tausend. Meinst du nicht, dass wir damit schon etwas anfangen können?“
„Ja, schon.“ Er räusperte sich ausgiebig und fuhr fort“ Es ist nur so dass ich im Moment, sagen wir es so, einen gewissen Engpass in der Aktiva habe“
„Will heißen, dass du gar kein Geld hast?“
„Nein, nein, nicht so direkt, sagen wir so, es handelt sich um eine vorübergehende Austrocknung der liquiden Mitteln, die sich bald wieder geben wird“
Ich stotterte herum „ Austrocknung... , liquide Mittel...Max, ich bin ein Trottel. Ich ziehe mich aus diesem Geschäft zurück. Bitte, gib mir mein Geld wieder“
„Nein, mein Lieber, das sind jetzt Geschäftseinlagen und als solche nicht ohne weiteres beliebig verfügbar“
„Aber entschuldige, was für ein Geschäft? Bislang ist gar nichts passiert, wir haben gar nichts beschlossen“
„Ja, mein Lieber, das sagst Du so einfach. Du hast mir neulich von der CAPD und der Persönlichkeitsspaltung erzählt“
„Aber was hat das damit zu tun?“
„Und ob! Wer war heute nacht bei mir und bat um Aufstellung eines Gesellschaftsvertrags?
Und wer bestand darauf, die Vereinbarung sofort zu zustimmen?“
„Ja, wer?“
„Na Du selbst, wer sonst. Du hattest Dich offenbar so tief auf deiner Couch gespaltet, dass die zweite Hälfte von Dir völlig außer Kontrolle war. CAPD pur, sag ich“
Ich war sprachlos. Hatte der Hund mich bloß reinlegen wollen oder war ich tatsächlich mit den Experimenten zu weit gegangen? War mir die ganze Entdeckung aus den Händen geglitten? Wenn es so wäre, wer weiß, was ich sonst noch angestellt hatte, wovon ich selber gar nichts wusste. Ich musste vorsichtig sein und behutsam versuchen zu erfahren, was Max von mir wusste, wovon ich selber nichts wusste. Deshalb ließ ich momentan von der Rückforderung des Geldes ab.
Inzwischen hatte uns der Ober unaufgefordert zwei Gläser mit einem roten Getränk und einige kleine Teller mit Vorspeisen gebracht. Max strahlte über das ganze Gesicht und lobte:
„ Das ist der berühmter Topino Rosso, der beste Aperitif weit und breit. Das öffnet garantiert jeden Magen und macht jede Leber arbeitswillig und gefügig. Prosit. Auf unser Unternehmen.“ Er nahm genüsslich einen Schluck davon und leckte sich mit der roten Zunge die Oberlippen. Ich hatte aber Durst und entleerte das Glas in einem Zug.
Zuerst merkte ich gar nichts, dann war es mir so, als ob ein Feuerball meinen Körper in der Längsachse durchquerte. Der Feuerball fiel heiß in den Magen und kam noch heißer zurück. Er brannte mir in der Brust wie Lava, durchquerte alle Rohre, die ich habe und kam durch den Rachen wieder in den Mund zurück. Ich brannte wie ein Johannisfeuer. Blieb aber tapfer, um keine Schwäche zu zeigen. Mit Tränen in den Augen, schnaubend und hustend brachte ich ein paar Worte heraus
„ Gut dieses Topolino“
„Nicht wahr, mein Lieber? Der gibt dir alle Geister zurück. Außerdem ist es ein phantastisches Aphrodisiakum. Da wird Deine liebe Frau das zu schätzen wissen, ha ha“
„Nein, das braucht sie nicht. Ich habe Melkfett besorgt“ röchelte ich
Um das Feuer in dem Mundraum zu neutralisieren stürzte ich mich auf die Vorspeiseteller, die den Ober gebracht hatte. Es waren kleine Brötchen, etwas größer als ein Käfer. Ich verschlang davon eins , dann zwei, dann eine ganze handvoll. Das Feuer ging einen Augenblick zurück, kam aber von irgendwelcher Ecke wieder . Ich aß rasch alle Käfer.
_______________________________________

Langasam, aber sicher kommen wir zur Lösung des Couchkrimis

tonleo

Beiträge: 195

Re: :Die Achte, Fuga

04.11.2010 10:35:51

Fuga ist eine Kompositionstechnik in der Musik, das auf Imitationen, also auf Abschreiben fußt, wie in der Schule. Auch Beethoven benutzte sie und schrieb, soweit ich weiß mehrere Fugen, die bei Beethoven seht autoritär klingen. Beethoven ist immer sehr autoritär, fast wie Van Gaal bei Bayern München. Beethoven war ein strenger Komponist, aber er verstand wenig von Fußball. Deshalb mußte er mit seiner Mannschaft absteigen. Seine Jungs die machten sowieso was sie wollten, denn sie waren, so wie er selber taub wie eine Gartengießkanne in der Sahara. Fuga heißt aber auch Flucht. So gesehen sind wir alle mehr oder weniger fugati oder,etwas anderes ausgedrückt futschikati. Bitte, die, die ewig leben möchten, nicht gleich beleidigt sein. Futschikati sind immer nur die anderen gemeint.

Also die Achte:
____________________________________________

Max guckte mich amüsiert an,
„Einen gesunden Appetit hast Du aber, mein Lieber“, merkte er an.
Der Ober brachte die Speisekarten und sprach irgendwelche Empfehlungen aus in einer Sprache, die ich nicht verstand. Max nickte und bestellte eine Flasche Chablis 1998 cul de la comtesse. Medaille d’or. Ich schaute in die Weinkarte und fiel fast in Ohnmacht. Der Wein kostete 87,35 Euro.
Beim Anblick der Preise in der Speisekarte entschwand mir das ganze Blut aus den Adern. Nein, lieber hungere ich die ganze Woche, als so viel Geld für Essen auszugeben. Max las laut jedes Gericht und kommentierte es in höchsten Tönen.
Gut sagte ich mir, es ist egal was hier das Essen kostet. Schließlich hat Max eingeladen, das ist nicht mein Geld. Aber mir fiel ein, dass es doch um mein Geld ging, denn Max hatte ja die Austrocknung. Nein, ich konnte nichts essen. Es wäre, als ob ich Stück für Stück die Teile unsere neuen Küche mit Messer und Gabel vernichten würde.
Max bestellte als Entrée 6 Austern .oeils de St. Jacque á 20,50 Euro das Stück. Da wären schon mal die Fliesen über die Spüle weg.
Anschließend bestellte er eine Colombine de Bress aux feuilles mortes. Und als Hauptgericht agnou á les jambes ouvertes avec herigots castrées.
Ohne Dessert war somit ein Wasserbett schon weg. Er fragte mich, was ich nehme. Ich winkte aber ab und gab an, dass es mir nicht so gut ging. und deshalb nichts essen konnte. Max wunderte sich, denn ich hatte davor die ganzen Käfer verschlungen.
Er nahm eine Auster in die Hand, lockerte geschickt das Fleisch mit einer kleinen Gabel auf., tropfte elegant etwas Zitrone darüber und gab dazu mit einer langen Mühle einen subtilen aber schwunghaften Hauch von weißem Pfeffer.
Dann führte er die Auster zur Nase, anschließend zum Ohr und hielt mit geschlossenen Augen. Inne. „Ich höre so gerne die Brandung“ sagte er mild, wie verzaubert. Nun schaute er nochmals in aller Ruhe der Auster tief in die Augen und schlürfte sie endlich hinein mit einem lauten Geräusch.
Während er die leere Schale wieder behutsam auf den Teller legte, behielt er offenbar die Beute noch eine Weile in Mundraum.. Sein Adamapfel ging dann rauf und runter , so verschlang er das Tier im Ganzen, wahrscheinlich um es nicht zu verletzen , wie er anschließend erklärte. Nun., machte er die Augen wieder auf, nahm einen bewussten Schluck Chablis, hielt inne und rülpste dezent in meine Richtung wie eine Spiellokomotive im Disnay Land. Mit gefasster Stimme schwärmte er „göttlich!“.
Diese Prozedur wiederholte sich wie ein heiliges Ritual weitere viermal . Bei der letzten Austern -Zeremonie, während Max mit geschlossenen Augen die letzte Brandung lauschte, griff ich schnell und unbemerkt den Umschlag mit dem Geld und versteckte ihn schnell in meine linke Brusttasche.
.„Wir müssen über den Firmennamen noch reden. Hättest Du einen Vorschlag?“, fragte Max.
„Ja, Max, was hältst Du von CAPD....“
„Bitte vergiß diesen Kram mit personality division oder multiplikation. Das versteht kein Mensch. Wir müssen was konkretes finden, das jeder Mensch versteht. Lass mich mal überlegen. CAPD; CAPD...einen Moment.. ich habe es: CAPD, Couch-Ausflüge-Preiswert- Direkt, das ist es. Couch Ausflüge preiswert und direkt . Ist das nicht wunderbar?“
„Na, ja, eigentlich ist CAPD ganz was anderes...“
„ Egal, mein Lieber, wir müssen das verkaufen, was die Leute kaufen wollen und nicht umgekehrt. Das ist das Geheimnis des Erfolgs. Das hat schon der alte Keynes gepredigt.“
In dem er sprach, schaute Max andauernd auf den Tisch. Mir war kalt und heiß.
Er streckte die Hand zu der Serviette und hob diese ab. Ja , er würde sofort merken, dass ich den Umschlag weggenommen hatte. Stattdessen wischte er sich mit der Serviette Mund, Stirn und Nase und legte sie verkleistert wieder ab. Ich atmete auf und sagte:
„Max , mir ist so schlecht.. Ich gehe nach Hause“
„Ha, ha, ha was für ein Sensibelchen. Gut, ruf mich morgen an und denke nach:
Couch, Ausflüge, preiswert und direkt. Empfehlungen an die Gattin“
Ich nahm die Plastiktüte mit dem Melkfett und ging hinaus.
Einmal draußen rannte ich so schnell, wie meine alten Knochen es erlaubten, nach Hause.
_____________________________________________________
Kindern, bitte nicht erschrecken. Es wird nicht mehr lange dauern. Gott sei Dank fährt der Onkel bald fort und Ihr werdet dann wieder Ruhe haben.

Ruhrpottmotte

Avatar von Ruhrpottmotte

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Re: : Couchreisen

05.11.2010 09:33:12

Klasse, Tonleo laugh

Liebe Grüße Elke
launisch? Ich nenn das spontane emotionale Kreativität

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