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Thema "wer kennt schon alte Dichter":

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Forum | Ein schöner Spruch | wer kennt schon alte Dichter

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Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

16.03.2012 18:39:56

Siziliane

Und wenn sich Gott im Eichenwald versteckte,
Dacht‘ ich als Kind – und lief und rief im Laufen:
„Komm, lieber Gott!“ Wie ich die Vöglein schreckten
Die Häslein schreckte, die sich spielend raufen!
Und ob ich nur das blöde Echo weckte;
Ich lief und rief und kannte kein Verschnaufen.
Heut bin ich Mann, dem Gott sich stets versteckte –
Nur kann ich nicht so knabenheiß mehr laufen.

Gustav Schüler

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

19.03.2012 11:20:43

Auff einen kuß

Ein kuß! ein kuß! ein kuß!
Ach ich bin ganz entzückt /
Da mich doch nur ein einziger erquickt /
Ein kuß / das ist ein kuß.
Ach soll ich noch mehr sagen /
So muß ich noch einmahl die süssen lippen fragen /
Wovor man wohl solch labsal halten muß?
Doch / Iris / stimme mir mit hundert küssen bey /
Ich sage so / daß küssen in der liebe
Die quintessence sey.

Erdmann Neumeister

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

22.03.2012 10:28:50

Einst

Ach wie war es leer und schaurig,
Als ich einst die Straßen zog,
Lebensmüde, sterbenstraurig,
Still mich in Dein Fenster bog.
Als ich dann mit dumpfem Weinen
Auf der Schwelle niedersank,
Von den eis'gen Marmorsteinen
Glühend heiße Tropfen trank.
Bangte Dir, daß sie mich fänden? -
Doch Du hast mich nicht geschaut -
Denn es ward von Priesterhänden,
Fern, ein Weib Dir angetraut.

Ada Christen, 1870

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

23.03.2012 11:10:11

Wochenandacht

Woche spricht in sieben Tagen,
mahnt zum Kämpfen, nicht zum Klagen,
spitz die Ohren halt den Mund,
stillstes Lauschen ist gesund.
In der Zeit der leiblich Not
achte doppelt geistig Brot!

Freitag

"Den Christus ans Kreuz und Barnabeas frei!"
Denk' nicht, daß die Geschichte erfunden sei.
"Sein Blut über uns und Kindeskind!"
Die Worte in der Schrift verbürgt uns sind.
Schauerlich wie Blut und Blutgeruch
wittert durch Völker und Zeiten Pharisäerfluch.
Freiheit für Schächer, Schieber und Schinder,
Kreuze für Gott und Gotteskinder:
Jenseits von Gut und jenseits von Bös!
Von Sünd und Lästerung, Herr, uns erlös!

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

25.03.2012 11:30:22

Meine Fraue, die will lohnen mir...

Meine Fraue, die will lohnen mir,
Der ich so viel gedienet han;
Des sollt ihr alle danken ihr,
Sie hat so wohl zu mir getan,
Sie will, dass ich ihr wende den Rhein.
Dann will sie tun den Willen mein.

Der Tannhäuser 1205 †1267

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

27.03.2012 12:44:30

Bis auf weiters

Das Messer blitzt, die Schweine schrein,
Man muß sie halt benutzen,
Denn jeder denkt: Wozu das Schwein,
Wenn wir es nicht verputzen?

Und jeder schmunzelt, jeder nagt
Nach Art der Kannibalen,
Bis man dereinst »Pfui Teufel!« sagt
Zum Schinken aus Westfalen.

Wilhelm Busch, 1909

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

29.03.2012 11:27:42

O bergische Heimat...

O bergische Heimat, ihr blauenden Höh'n,
wie ruht ihr im Strahle der Sonne so schön!
Die lauschigen Täler, die blühende Au,
die Haine, die Wälder - o liebliche Schau!
Aus Hämmern am Teiche, aus Kotten am Hag
tönt Schrillen der Pfeife und pochender Schlag;
es schnurret die Spindel, der Webstuhl saust,
und schäumend die Welle talabwärts erbraust.

Wilhelm Idel

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Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

30.03.2012 12:51:21

Ein Kapitel gegen die werten Herren Blutsauger

O dieses gräßliche Gesindel,
Das Börsenspekulanten heißt!
Spitzbuben mit dem Diebwerksbündel,
Auswurf von eklem Höllengeist!
Es überkommt uns schon ein Schwindel,
Wenn man auf ihre Namen weist.

Web' ich mit meiner Dichterspindel
Das grobe Zeichen ab: Boué,
Dann schreit gewiß Apollo: weh!
Die Feder sträubt sich, den Kumpanen
Der Satansbrut den Dienst zu leihn;
Sie stockt und hält mit Schaudern ein,
Gilt es die Namen Wurmb, van Sanen,
Die ans Groteske uns gemahnen.

Nun schaut sie selber an, die drei –
Im Mummenschanz der Gaunerei,
Die Helden in dem Reich der Zahlen!
Wie sie mit plumper Pinselei
Habgier und Wucher übermalen –
Wie sie mich hier und dort bestahlen
Durch Wechsel, Schuldscheinfopperei,
Mit Quittungskram und kolossalen
Bankrechnungen – Gott steh mir bei!
Zu dem Geschäft mich herzugeben!

Das dumme Zeug geht mir ans Leben!
Ich magre ab, ich möcht' vergehn
Bloß wegen dieser Kerle eben,
Die abgefeimt nur danach streben,
Daß ihre Kurse pari stehn.

Ihr Schufte, schmutzig wie Chinesen
Und noch verschmitzter, habt ihr mal
Den Aristoteles gelesen?
Wißt ihr, wer Locke und La Motte gewesen?
Nein, dazu seid ihr viel zu schal –
Die Geistesnahrung war' euch Qual.
Die Wissenschaft geht in die Binsen,
Und nur, wo's was zu rechnen gibt,
Da seh' ich die Gesichter grinsen.
Das einzige ist, was euch beliebt,
Fünfzehn Prozent an Wucherzinsen.

O welch ein lächerliches Los
Ist uns Monarchen aufgezwungen!
Man zieht sich solche Lumpen groß!
Ihr Treiben schon ist sittenlos;
Doch brauchen sie noch ihre Zungen,
O welche Marter für mein Ohr!

Noch eben waren mir erklungen
Gesänge aus dem Dichterchor,
Das Lied Homers, das uns begeistert,
Das Lied Virgils, das Herzen meistert –
Kaum steigt der Wunderborn empor,
Wird er durch Pöbelschlamm verkleistert.

Rasch flücht' ich mich zum Musenhain,
Um froh beseligt nah zu sein
Deinen neun Töchtern, Mnemosyne!
Dort sog ich einst die Hoffnung ein,
Daß mir des Ruhmes Lorbeer grüne.
Die Sünden büßen will ich dort,
Abschwören meine Frevelpläne!

Und in dem Quell der Hippokrene
Schwemm' ich den alten Unrat fort.
Rein bad' ich mich an diesem Ort
Von allem Schmutz und eklen Säften
Aus den verruchten Geldgeschäften,
Eh' meine Lebenskraft verdorrt.

Ja, beim Permessus will ich schwören
Und schwören, Gott Apoll, bei dir:
Nie soll mich Plutus mehr betören,
Nie wecken eine schnöde Gier!
Das Gift, vom Leibe halt' ich's mir,
Will nur aufs Wort der Musen hören,
Mich laben an den Zauberchören
In ihrem heiligen Revier!

Friedrich der Große, 1765

es wiederholt sich alles !

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

31.03.2012 11:13:27

Ich liebe

»Ich liebe« ist ein Gotteswort;
»Ich liebe« dringt ins Herz hinein.
»Ich liebe« will an jedem Ort
gegeben, nur gegeben sein.

»Ich liebe« kam vom Himmel einst
zu dir, zu mir, zu aller Welt.
Doch ist es nicht das, was du meinst
und was als Liebe sich verstellt.

»Ich liebe« ist nicht ein Begehr;
»Ich liebe« dient und opfert nur,
und fällt dir. eine Liebe schwer,
so ist sie himmlischer Natur.

Die Erde lebt seit Anbeginn
von dem, was ihr der Himmel gibt;
er aber lebt und gibt sich hin,
denn daß er lebt, heißt, daß er liebt.

Karl May, 1900

Hiltrud

Beiträge: 5722

Re: wer kennt schon alte Dichter

01.04.2012 11:18:09

An der Mosel.

August 1870.

Wo der Mosel dunkle Wellen
Um ihr felsig Ufer schwellen,
Schweigt zum drittenmal die Schlacht,
Und die feuchten Winde tragen
Lobgesang und Totenklagen
Fernverhallend durch die Nacht.

Unsre Siegesbanner wogen,
Doch die Bahn, die sie durchbogen,
Ist von teurem Blute rot;
Wo der Eisenregen sprühte,
Sank in Garben, ach, die Blüte
Unsrer Jugend in den Tod.

O wie viel verwaiste Herzen
Nennen euch hinfort mit Schmerzen,
Mars la Tour und Gravelotte!
Bleiche Fraun, zum Tod bekümmert,
Bräute, deren Glück zertrümmert,
Greise Mütter, tröst' euch Gott!

Aber euch, ihr treuen Toten,
Sei der Brüder Schwur entboten,
Zorn'ge Tränen rinnen drein:
Nimmer soll, das ihr vergossen,
Euer Blut umsonst geflossen,
Nimmer soll's vergessen sein!

Eures heil'gen Willens Erben
Schwören wir auf Sieg und Sterben,
Treu zu stehn in Wacht und Schlacht:
Keiner soll der Rast gedenken,
Noch das Schwert zur Scheide senken,
Bis das große Werk vollbracht;

Bis des Erbfeinds Trutz vernichtet,
Bis das Bollwerk aufgerichtet,
Das die Zukunft schirmt der Welt,
Und mit rauschendem Gefieder
Über euren Gräbern wieder
Deutschlands Aar die Grenzwacht hält.

Emanuel Geibel, 1870

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