Kopfbild mit Logo
Suche:

Thema "Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)":

Boardübersicht Mein Profil letzte Beiträge

Forum | Medizintechnik | Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)

Jo@chim

Avatar von Jo@chim

Beiträge: 716

Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)

22.05.2012 18:55:07

Gut Luft,

Im Thema „Voraussetzungen für Flugtauglichkeit?” wird sich gerade mal wieder über die Vorzüge und Nachteile unterschiedlicher Versorgungen mit Sauerstoff auseinandergesetzt.

Logistik der Versorgung

Sauerstoffkonzentrator (COX)

• 220 Volt / 50 Hertz Wechselstromquelle: zu Hause, Hotelzimmer, Restaurant, …
• 12 Volt Gleichstromquelle: Autobatterie, Bordnetze (Bahn, Bus, Flugzeug, …)
• Akku für Mobilität

Akkus:
Die Reichweite von Akkus hängt vom Modell und von der eingestellten Flußstärke ab. Bei einer Flußstärke im oberen Bereich sind die Akkus sehr schnell leer. Ältere Akkus halten deutlich kürzer.

Notfall:
Lieferunterbrechung beim Strom (Stromausfall)

Flüssigsauerstoff (LOX)

• 20 - 40 - 60 Liter Vorratstank: regelmäßiges Nachfüllen durch Versorger erforderlich
• 0,5 - 1,0 Liter Tragegerät: Nachfüllen am Vorratstank erforderlich

Notfall:
unerwartet hoher Verbrauch oder defektes Füllventil

Ausland:
unterschiedliche Normung und rechtliche Voraussetzungen

Tausch leer gegen voll:
einige Versorger füllen die Vorratstanks nicht auf, sondern tauschen sie gegen volle aus.

Vorratstank:
Anlieferung zwischen jeder Woche bis zu vier wöchentlich je nach Verbrauch
Am Liefertag muß man annahmebereit sein, d.h. zu Hause sein. Vorratstanks kann man sich im Rahmen einer Urlaubsversorgung auch am Zielort hinstellen lassen.

kleiner Vorratstank / Reisetank / Autotank (20 Liter):
Kleine Vorratstank eignen sich zum Mitführen im Auto. Einige Versorger bieten ihren Kunden ein Nachfüllen auch in ihren Niederlassungen an.

Tragegeräte:
Zum Nachfüllen gibt es „Sauerstofftankstellen”, von denen es aber keine flächendeckende Versorgung gibt. Lungenfachkliniken und Rehas für „Respiratorische Insuffienz” bieten ebenfalls Nachfüllmöglichkeiten für ihre Patienten an.

Die Füllventile von Tragegeräten sind leider nicht genormt. Auch bei gleicher Modellbezeichnung gibt es unterschiedlich, miteinander unverträgliche Ventile.

Gasdruckflaschen (GOX)

Ein Füllen erfolgt durch ein Austauschen der Gasdruckdruckflaschen „leer gegen voll”. Die Zahl der Gasdruckflaschen ist begrenzt.

Heimfüllstation (Homefill)

Eine Homefill-Station ist Station, um Gasdruckflaschen aus einem Konzentrator selbst füllen zu können. Der Füllvorgang dauert lange (ca. 6 Stunden). Die Zahl der zur Verfügung gestellten Gasdruckflaschen ist begrenzt. Die Station ist nicht darauf angelegt, sie mal schnell mit in den Urlaub nehmen zu können.

Gewicht der mobilen Versorgung

mobiler Konzentrator: ca. 4 kg
transportabler Konzentrator: ca. 8 kg
LOX-Tragegerät: 1,6 kg (Helios Plus) bis 4 kg (Companion 1000T Highflow)

Geräuschentwicklung

hoher Fluß: bei allen Vorsorgungsarten hörbar (bei Silikonschläuchen bereits ab 3 l/min)
Atemzugsteuerung (Demandsystem): Jeder Sauerstoffstoß ist hörbar

Turbine eines Konzentrators: deutlich hörbar, nicht geeignet für kulturelle Veranstaltungen

Gefahrengut, Ortseinschränkung

Beim Flüssigsauerstoff handelt es sich um ein Gefahrengut mit Einsatzbeschränkungen. Bei einem niedrigen Luftdruck, wie er ab etwa 2.400 m herrscht, verdampft Flüssigsauerstoff von alleine.

Als Gefahrengut ist Flüssigsauerstoff in Flugzeugen und in einigen Straßentunneln und einigen Tiefgaragen verboten.

Aus technischen Gründen ist ein Einsatz von Flüssigsauerstoff auf hohen Bergen und Paßstraßen nicht möglich. Man kann so z.B. mit Flüssigsauerstoff nicht auf die Zugspitze fahren.

Atemzugsteuerung (Demandbetrieb)

Die kleineren, mobilen Sauerstoffkonzentratoren unterstützen nur einen Demandbetrieb. Nicht allen Menschen sind für eine Demandversorgung geeignet.

Im Schlaf sind die meisten Menschen Mundatmer. Sie brauchen daher im Schlaf eine Dauerflußversorgung.

Die Eignung für einen Demandbetrieb muß vorher von einem Arzt getestet werden, auch unter Belastung. Nur so ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung sichergestellt.

Hohe Flußraten

Transportable Sauerstoffkonzentratoren schaffen meistens nur maximal 5 l/min im Demandbetrieb und maximal 3 l/min im Dauerflußbetrieb. Höhere Flußraten sind nur mit Flüssigsauerstoff zu schaffen.

Liebe Grüße
Joachim

Letzte Änderung: 23.05.2012 03:12:00 von Jo@chim

Joachim Heinrich
multa cadunt inter calicem supremaque labra (Marcus Porcius Cato Censorius)

Jo@chim

Avatar von Jo@chim

Beiträge: 716

Re: Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)

26.05.2012 14:08:39

Gut Luft,

Von Anfang an war ich mit Flüssigsauerstoff versorgt und immer zufrieden damit.

Keine Wahl mehr, da inzwischen Highflow

Inzwischen habe ich keine Wahl mehr. Mit 8 - 10 l/min bei Belastung ist nur noch Flüssigsauerstoff möglich. Diese Leistung schafft kein Sauerstoffkonzentrator.

Erstversorgung

Als Erstversorgung hatte ich einen Freelox II 44 Liter Vorratstank mit einem Freelox 1,2 Tragegerät für Dauerfluß. Zusätzlich hatte man mir einen Respironics EverFlo für den Arbeitsplatz hingestellt. Ein stationärer Sauerstoffkonzentrator war für meinen wechselnden Arbeitsplatz ungeeignet.

LOX-Tragegerät mit Atemzugsteuerung (Demand)

Zur Verlängerung meiner Mobilzeiten hatte ich dann um ein Tragegerät mit Atemzugsteuerung gekämpft. Als erstes bekam ich einen Spirit 600 aus einer defekten Charge hingestellt. Es war ein Austausch gegen mein Freelox 1,2 Tragegerät. Mein damaliger Versorger war damals nicht in Lage, mir ein anderes funktionierendes Tragegerät mit Atemzugsteuerung zur Verfügung zu stellen. Es ging daher wieder zurück zum Freelox 1,2.

Danach wechselte ich zu einem anderen Versorger. Es gab wieder einen Freelox II 44 Liter Vorratstank plus ein Companion 1000 Tragegerät für Dauerfluß. Nach ca. 1 Woche wurde zusätzlich ein Helios Marathon H850 für Atemzugsteuerung geliefert. Der Companion 1000 wurde nicht zurückgefordert, so daß ich zwei Tragegeräte besaß.

Meine Mobilzeiten

Mit meinem leichten Helios Marathon H850 konnte ich Mobilzeiten von etwa 17 Stunden erreichen. Dieses reichte mir für Tagesausflüge ohne Übernachtung. Die Rückfahrt mußte nur am gleichen Tage sein. So konnte ich mit der Bahn zu meinen Klassentreffen fahren (ca. 500 km), mich an der MH Hannover vorstellen (ca. 550 km) oder zu einer Vortragsveranstaltung nach München fahren (ca. 200 km).

Suche nach mehr Mobilität

Zur Verbesserung meiner Mobilzeiten (Übernachtung) hatte ich mich auch nach anderen Möglichkeiten umgeschaut. Dabei fiel mein Auge auf den Respironics EverGo und einen LOX-Autotank. Beide Lösungen sind meiner Ansicht nach eng an die Benutzung eines Autos gebunden. Ich bin jedoch Wenig-Autofahrer und besitze inzwischen auch kein Auto mehr. Mein bevorzugtes Verkehrsmittel sind öffentliche Verkehrsmittel.

Bei den kleineren, leichteren, mobilen Sauerstoffkonzentratoren mußte ich feststellen, daß sie Sauerstoffstoff nur im Atemzug gesteuerten Modus abgeben können und daher für eine Übernachtung ungeeignet sind. Die Reichweiten eines Akku-Satzes sind deutlich geringer, als die eines Atemzug gesteuerten LOX-Tragegerätes. Zum Nachladen für unterwegs braucht man entweder eine Autobatterie oder man muß zwischendurch eine längere, stationäre Pause einlegen.

Sauerstofftankstellen

Für LOX-Tragegeräte gibt es Nachfüllmöglichkeiten in Sauerstofftankstellen. Leider gibt es diese nicht flächendeckend. Viele Veranstaltungen der Deutschen SauerstoffLiga LOT e.V. bieten diese Nachfüllmöglichkeit für gängige LOX-Tragegeräte. Meine Lungenfachklinik und meine letzte stationäre Reha bieten mir auch diese Nachfüllmöglichkeiten.

Meine jetzige Lage

Inzwischen bin ich glücklich, daß ich keine selbstbeschafften Geräte zur Verlängerung meiner Mobilzeiten angeschafft habe. Durch meine Umstellung auf Higflow-Ausstattung wären sie jetzt für mich nutzlos geworden. Ich hätte sie daher nach kurzer Zeit wieder auf dem Gebrauchtwarenmarkt anbieten müssen.

Liebe Grüße
Joachim

Joachim Heinrich
multa cadunt inter calicem supremaque labra (Marcus Porcius Cato Censorius)

Namba_Wan

Beiträge: 144

Re: Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)

28.05.2012 10:00:13

Jo@chim schrieb:

. . . Inzwischen habe ich keine Wahl mehr. Mit 8 - 10 l/min bei Belastung ist nur noch Flüssigsauerstoff möglich. Diese Leistung schafft kein Sauerstoffkonzentrator.

Hallo!

Im Mitgliederbereich unter Medizintechnik sind Konzentratoren mit hohem Flow vorgestellt. Z.B. Topair2 mit bis zu 12Ltr. Wäre dies nicht eine Möglichkeit?

Gruß NambaWan

Alle sagten, das geht nicht. Dann kam jemand, der das nicht wusste und machte es einfach.

Jo@chim

Avatar von Jo@chim

Beiträge: 716

Re: Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)

28.05.2012 12:15:40

Hallo NambaWan,

Namba_Wan schrieb:

… Z.B. Topair2 mit bis zu 12Ltr. …

Danke für den Hinweis.

Unser O2-Report Ausgabe 27 Nummer 2/2011 enthält eine gute Übersicht über Sauerstoffkonzentratoren auf dem Markt. Das von Dir vorgeschlagen Modell ist nicht nur Spitze (oberer Bereich) bei der Sauerstoffabgabe (bis 12 l/min) sondern auch im Stromverbrauch (790 Watt) und im Lärm ( 45 db (A) ). Im mobilen Bereich in dieser Tabelle habe ich kein Gerät mit mehr als 3 l/min für Dauerfluß gefunden.

Wirtschaftliche Gründe und Lärmgründe sprechen im Hochflußbereich mehr Flüssigsauerstoff.

Liebe Grüße
Joachim

Joachim Heinrich
multa cadunt inter calicem supremaque labra (Marcus Porcius Cato Censorius)

Jo@chim

Avatar von Jo@chim

Beiträge: 716

Re: Sauerstoffkonzentrator (COX) vs. Flüssigsauerstoff (LOX)

28.05.2012 14:58:26

Zusammenfassend ist eine Flüssigsauerstoff-Behandlung teurer als Konzentrator-Behandlung. Allerdings die Behandlungseffekte zeigen, daß flüssiger Sauerstoff eine bessere Wirkung auf die Lebensqualität der Patienten hat. Durch einen Transfer von einer Konzentrator-Behandlung zu flüssigen Sauerstoff würden sich die Kosten der finanzierenden Krankenkassen erhöhen, aber auch zu einem höheren Erfüllungsziel im Gesundheitswesen führen.

Quelle: Domiciliary liquid oxygen versus concentrator treatment in chronic hypoxaemia: a cost-utility analysis

ziert in:  Leitlinien zur Langzeit-Sauerstofftherapie

Gut Luft,

Die „Leitlinien für Sauerstoff-Langzeittherapie” heben hervor, daß die Lebensqualität mit Flüssigsauerstoff gegenüber einem Konzentrator besser sei.

Liebe Grüße
Joachim
  

Joachim Heinrich
multa cadunt inter calicem supremaque labra (Marcus Porcius Cato Censorius)

Neue Artikel

Änderung

Website zuletzt geändert am

11.01.2018

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen
Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
Kontrollieren Sie dies hier.

© Deutsche Sauerstoff- und BeatmungsLiga LOT e.V. - Selbsthilfegruppen für Langzeitsauerstoff- und Beatmungstherapie