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Forum | Info und Anfragen | Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

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bibiviola

Beiträge: 3362

Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

01.04.2014 13:58:41

Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

Die Dyspnoe quält Krebskranke ebenso wie Patienten mit Herzinsuffizienz oder COPD. Vor allem die Vorstellung vom Tod durch Ersticken ängstigt Betroffene und Betreuer.

Die Luftnot ist nicht nur das vierthäufigste Symptom bei Krebspatienten, sie hat auch eine hohe prognostische Relevanz, erklärte Dr. Marion Daun, Hämatologin/Onkologin vom Klinikum Stutt­gart. Werden Tumorpatienten mit Dyspnoe eingewiesen, beträgt ihre mediane Überlebenszeit zwölf Wochen. Zudem sorgt die Luftnot bei fortgeschrittenem Tumorleiden für eine starke Minderung des Lebenswillens.

Subjektive Luftnot auch bei 96 % O2-Sättigung

Der Schweregerad der Dyspnoe lässt sich von Außenstehenden kaum erfassen – Ärzte unterschätzen die Luftnot oft, während Angehörige sie überschätzen. Als Goldstandard gilt Selbsteinschätzung durch den Patienten (z.B. per VAS-Skalen, modifizierte Borgskala).

Laborparameter und Lungenfunktion korrelieren nur schlecht mit der subjektiven Luftnot. Diese kann auch bei einer O2-Sättigung von 96 % vorhanden sein, so die Leiterin des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes.

Wichtig ist es, nach Ursachen und besonderen Charakteristika forschen. Handelt es sich – ähnlich dem Durchbruchschmerz – um akute Attacken, die sich auf chronische Luftnot aufpfropfen? Kommen die Episoden aus heiterem Himmel?

Ist die Luftnot vorhersagbar – „immer wenn ich viel rede, mich aufrege, zuviel Schleim habe“ – dann lassen sich die Trigger evtl. vermeiden.
Bei akuter Luftnot Kommunikation aufnehemn!

Vielleicht können Sie auch lindernde Faktoren ermitteln, mit der Frage „Was hilft Ihnen da?“. Eine Durchbruch-Luftnot kommt meist rasch – innerhalb von zehn Minuten – und geht in weniger als zehn Minuten vorüber.

Ursachen schwerer LuftnotVordringliche Aufgabe des Arztes ist es, die Kommunikation aufzunehmen („Ja, ich merke Sie haben Luftnot, wir können etwas tun!“) und evtl. reversible Ursachen zu finden (s. Kasten). Persistiert die Dyspnoe trotz gezielter Intervention, folgt die symptomatische Therapie.

Opioide: Sie bieten sich zur Ökonomisierung der Atem­arbeit und zur Reduktion des Atemantriebs an und sorgen zugleich für An­algesie und Anxiolyse. Gute Daten dazu gibt es vor allem für die COPD, aber auch für Krebs, Herzinsuffizienz und interstitielle Lungenerkrankungen. Wesentliche Änderungen der Blutgase riskiert man durch den Opioideinsatz nicht.

Zur Linderung der Dyspnoe genügt eine wesentlich geringere Opioid-Dosis als zur Analgesie, unterstrich Dr. Daun, „bei opioidnaiven Patienten verabreicht man 2,5–5 mg Morphin per os oder subkutan alle vier Stunden“. Bei COPD (Atemantrieb CO2!) geben Sie evtl. noch weniger. „Eine Zehntel Ampulle s.c. oder 10 mg einmal pro Tag retard – das kann schon reichen.“

Bei Opioid-Vorbehandelten erhöhen Sie die Basismedikation um 25–50 % und stellen für die akuten Episoden als Bedarfsmedikation ein Sechstel der Tagesdosis bereit. Außerdem sollten Sie nie ohne Anti­emetikum (MCP, Haloperidol) und Laxanzien starten, erinnerte die Kollegin.

Zum oral transmukosalen Fentanyl gibt es Fallberichte z.B. bei COPD, nach denen durch schnelle Anflutung eine gute Linderung der Atemnot erreicht wurde. Das Ergebnis einer deutschen Studie bei onkologischen Patienten (Fentanyl buccal vs. Morphin-Tropfen) wird 2014 erwartet.

Bei guter Opioid-Einstellung sind Benzos kaum nötig

Benzodiazepine: Sie erzielen zwar keine signifikante Dyspnoe-Linderung, erleichtern dem Patienten aber den Umgang mit der Atemnot. Wird im limbischen System die Angst unterbrochen, verringern sich via Ökonomisierung der Atemarbeit auch die Beschwerden.

Dennoch werden Benzos erst nach Opiaten und nicht pharmakologischen Maßnahmen eingesetzt. Bei Sterbenden mit Atemnot kann man z.B. Lorazepam (0,5–2 mg sublingual alle 6–8 h) oder Midazolam subkutan (1–2,5–5 mg alle 4-6 h) geben. „Wenn eine gute Einstellung mit Opiaten gelingt, brauchen wir jedoch wenig Benzodiazepine“, so die Kollegin.

Steroide:
Bisher existieren keine randomisierten Studien zur Wirksamkeit gegen Atemnot. Eine Kortison-Indikation liegt vor bei Lymphangiosis carcinomatosa (z.B. 4–12 mg Dexamethason) und bei pulmonaler Spastik (inhalativ).

Phenothiazine besitzen ebenfalls keinen Wirksamkeitsnachweis, erklärte die Onkologin. „Trotzdem geben wir 10–50 mg Promethazin oder 5–20 mg Levopromazin, z.B. bei Patienten, die wegen Angst vor Muskelschwäche keine Benzodiazepine wünschen.“

Antidepressiva: Dr. Daun bezeichnete sich selbst als große Verfechterin des Einsatzes z.B. von SSRI bei Patienten mit Luftnot – trotz dünner Datenlage. Auch mit Mirtazapin (Schlaf anstoßend) zur Nacht in niedriger Dosierung hat die Kollegin gute Erfahrungen gemacht.

Sauerstoff wirkt nicht gegen Dyspnoe-Gefühle

Sauerstoff besitzt eine Indika­tion bei Hypoxämie, wirkt ansonsten aber nicht gegen Dyspnoe-Gefühle, wie ein Cochrane-Review ergab. Stattdessen muss man unter der O2-Applikation per Sonde mit zahlreichen negativen Effekten rechnen wie trockene Schleimhaut, quälendes Durstgefühl und Bewegungseinschränkung aus Angst, sich von der Sauerstoffquelle wegzubewegen.

Bei bereits Sauerstoff-Abhängigen unternimmt Dr. Daun nach Möglichkeit einen Auslassversuch. Sie gibt O2 möglichst nur intermittierend.

Eingedenk der Tatsache, dass Atemarbeit viel Energie fordert und in die pulmonale Kachexie führen kann, steht die Frage im Raum, ob man zusätzlich etwas für die muskuläre Reserve tun kann. Mit hochkalorischer Kost lassen sich keine wesentlichen Effekte erzielen, ebenso wenig mit Kreatin, Anabolika oder Supplementen. Wirksam sind dagegen Beratung und Schulung im Umgang mit der Dyspnoe und die Atemtherapie.
Im Notfall Patient fest anpacken und beruhigen

Auch körperliche Berührung hilft, z.B. als Fußmassage. Kräftiges Anfassen empfiehlt Dr. Daun auch für die Notfallsituation. Holen Sie einen Stuhl, begeben Sie sich auf Augenhöhe und packen Sie den Patienten am Thorax, während Sie vermitteln: „Hallo ich bin da, wir machen das Fenster auf, es wird nichts passieren.“ Handventilatoren lindern Studien zufolge die Dyspnoe, indem sie Mechanorezeptoren an Hypopharynx und Gesicht stimulieren.

Präventiv nutzt – neben Ausdauer- und Krafttraining – die Quadrizepsstimulation (NMES, neuromuskuläre elektrische Stimulation). In drei randomisierten Studien kam es dadurch bei COPD-Kranken zur deutlichen Linderung der Dyspnoe.

Quelle: 49. Ärztekongress der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg
Medical Tribune 31.03.2014

Liane51

Avatar von Liane51

Beiträge: 256

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

02.04.2014 09:38:14

Liebe Birgit,

danke daß du diesen Beitrag eingestellt hast.

Leider nimmt niemand dazu Stellung, ich möchte das aber gerne tun.
Keiner redet gerne über sein Ende, obwohl es sicher ist, daß wir alle mal sterben müssen. Dieses Thema gilt für alle, nicht nur für uns Lungenkranken. Aber auch wir wollen wie alle, leben.
Sorge macht mir nur, daß ich im Fall der Fälle an einen Arzt gelange, der sich nicht mit Luftnot auskennt. Diese Ärzte findet man überall auch auf der Intensivstation.

Die Ratschläge am Ende des Berichts z.B. Patienten fest am Thorax halten usw. zeigen mir, daß sich manche Ärzte eben doch nicht auskennen.

Ich glaube, Menschen machen sich ungern Gedanken über ihren Tod und wenn nur ganz kurz. Es ist wirklich zu unangenehm.
Die meisten wünschen sich, Abends einzuschlafen und Morgens nicht mehr aufzuwachen. Dies wünschte sich meine Mutter, dies wünschte ich mir für meinen Hund. Leider klappt dies nur in ganz seltenen Fällen.

Liebe Grüße
Liane

Letzte Änderung: 02.04.2014 09:40:30 von Liane51

bibiviola

Beiträge: 3362

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

02.04.2014 12:32:37

Hallo Liane,

ich habe mich intensiv mit dem Tod auseinandergesetzt. Was nutzt es mir, wenn ich vor Angst schon "sterbe" und die Augen davor verschließe. Wir sind alle nur Gast auf dieser Erde, Leben und Tod gehören nun einmal zusammen.

Mit diesem Beitrag wollte bzw. will ich den Patienten etwas von der Angst nehmen, qualvoll ersticken zu müssen.
In der Regel versagen vorher schon die Organe auf Grund von Sauerstoffmangel.

Das anpacken am Thorax ist etwas unglücklich ausgedrückt.
Gemeint ist, das man seine Hände beruhigend beidseitig am Thorax anlegen soll, aber eben so, dass der Patient es auch spürt. Oft hilft diese Berührung, den Patienten aus der Luftnot zu holen.
Diese Erfahrung habe ich selbst schon gemacht, bei mir und bei anderen Patienten.

Meine Angst geht eher dahin, das meine Patientenverfügung nicht befolgt wird....

Letzte Änderung: 02.04.2014 12:33:32 von bibiviola

Liane51

Avatar von Liane51

Beiträge: 256

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

02.04.2014 13:29:50

Hallo Birgit,

deine Angst ist berechtigt, ich konnte auch auf der Intensivstation Erfahrungen sammeln.

Mit dem Anfassen des Patienten muß ich, aber nur für mich, entschieden nein sagen. Ich hatte bereits 2 massive Panikattacken im Krankenhaus. Bei der ersten war eine Ärztin und eine Schwester anwesend, alles ging gut. Bei der zweiten nur eine Schwester, sie wollte mich festhalten, ich habe in meiner Panik nach ihr geschlagen. Die Ärztin wußte was zu tun war, die Schwester hatte Angst ich würde vom Bett fallen.

Ich bin dem Chef da oben wirklich dankbar, daß ich auf die Idee kommen durfte, daß der AV-Shunt in meiner Leiste doch nicht so gut ist und somit verschlossen werden muß. Nach diesem Vorgang haben nämlich alle Panikattacken, welche mir so fleissig diagnostiziert wurden und unbedingt behandelt werden müssen, aufgehört!!

Dieser Eingriff störte meinen Körper seit 3 Jahren, er hat sich mit dieser Situation nicht abgefunden. Nachdem der Shunt verschlossen war und jetzt ein Stent ist, dachte ich in den darauffolgenden Tagen ich wäre ein neuer Mensch.

So jetzt reicht es, aber merkwürdig, so sind wir vom Tod doch zum Leben zurückgekommen.
Ich hoffe wir beide haben noch ganz viel Zeit hier zu sein, denn einer muß doch im Forum schreiben....

Einen schönen Tag und genieße die Sonne, du darfst das jetzt!

Liane

bibiviola

Beiträge: 3362

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

02.04.2014 13:51:53

Festhalten während einer Panikattacke oder bei großer Luftnot geht gar nicht!
Da hätte ich auch um mich geschlagen.

Ich habe mich damals gleich gegen einen AV-Shunt entschieden.
Ich höre viel auf meinen Bauch bei solchen Entscheidungen und bin bisher immer gut damit gefahren....
Wünsche dir auch einen wunderschönen Tag.

Letzte Änderung: 02.04.2014 13:53:16 von bibiviola

Wolfgang1

Beiträge: 470

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

02.04.2014 17:39:50

Liebe Birgitt , dein Beitrag ist eine enorme Bereicherung für unser Wissen, nicht nur einmal habe ich mich mit diesem Thema auseinander gesetzt , den ich denke jeder soll und will in würde diese Erde verlassen . Danke dir auch dank an Liane für ihren Beitrag ! LG Wolfgang !

Monika57

Beiträge: 11

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

02.04.2014 22:29:03

Hallo alle Zusammen

Ich bin noch ganz neu hier im Forum ,lese zwar schon eine ganze Zeit lang interessiert mit und finde diese Seite auch sehr informativ ihr macht das hier wirklich klasse ,deswegen trau ich mich heute auch mal zu schreiben .
Bei mir war auch immer die Angst das ich irgendwann ersticken muss ich denke so manches mal darüber nach .Mein Mann hatte am Schluß diesen röchelnden Atem und auch meine Mutter als sie starb .Ich habe oft darüber nachgedacht inwieweit die beiden noch was bewusst mitbekommen haben , ich weiß es nicht .
Aber ich muß sagen seitdem ich 2011 den Herzinfarkt hatte der damit anfing das ich keine Luft mehr bekam und ich nach 6 Tagen wieder zu mir kam ,habe ich nicht mehr solche Angst .
Warum weiß ich selber nicht .
Ich bin aber auch der Meinung man muß auch übers sterben nachdenken und reden können ,denn eins ist ja wohl mal ganz sicher ,gehen müssen wir alle mal .
LG
Monika

Es geschieht anderen und wir nehmen es hin .
Es geschieht uns selbst und wir können es nicht begreifen

Liane51

Avatar von Liane51

Beiträge: 256

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

03.04.2014 07:30:40

Guten Morgen Monika,

wir alle freuen uns, daß du zu uns ins Forum gefunden hast und heißen dich herzlich willkommen.

Du hast es bereits angesprochen, man muß reden, reden und nochmals reden, wenn es um derartige Themen geht.
Wir können hier über alles reden, also frage was du magst und wenn es dir noch so bedeutungslos erscheint. Wir alle versuchen, uns gegenseitig zu helfen.

Du lebst alleine, dein Mann ist bereits verstorben. Das tut mir sehr leid für dich. Der Gesprächspartner fehlt halt.

Wenn du etwas ganz diskret fragen möchtest, kannst du immer der jeweiligen Person eine sogenannte PN (persönliche Nachricht) senden.

Liebe Grüße
Liane

Monika57

Beiträge: 11

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

03.04.2014 22:14:53

Liebe Liane
Vielen Dank für deine nette Begrüßung .Ja in der Tat suche ich hier im Forum Antworten auf manche Fragen .Wenn ich sie nicht finde werde ich gerne auf dein Angebot zurückkommen .

LG
Monika

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Wolfgang1

Beiträge: 470

Re: Luftnot am Lebensende gezielt behandeln

04.04.2014 08:35:18

Guten Morgen Monika , ich lade dich ein zu unserem tägl, Chat 17Uhr
zum Informationsaustausch , wie zu einer kleinen Plauderstunde über alle Fragen im Leben , auch der Spass kommt nicht zu kurz , LG Wolfgang

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